Hallo Thomas und schön, dass Du die Zeit gefunden hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich bin neugierig geworden und möchte einiges mehr in diesem Interview über Dich erfahren. Zuerst ein paar persönliche Fragen. Kannst Du mir etwas über deine musikalischen Laufbahn  erzählen?

Gerne….seit meiner Kindheit bin ich von Musik fasziniert. Ich kann mich sehr gut an die erste Begegnung mit einer Gitarre erinnern. Mein Bruder spielte Gitarre und durch Zufall stand sie in meinem Zimmer. Neugierig, wie ich war, strich ich mit meinen Fingern über die Saiten. Der Klang der Gitarre hat mich bis heute umgehauen. Da war mich klar, dass ich das Instrument lernen wollte. Was ich bis heute mache und noch nie bereut habe. 

 

Ein paar Beispiele meiner persönlichen Höhepunkte meiner musikalischen Laufbahn.

Für mich ist das Endorsement mit Warwick/Framus ein Highlight und mein persönlicher Ritterschlag.  Ich habe als gutbezahlter Studiomusiker verschiedenste Musikrichtungen in einem echt gutem Studio eingespielt. Für meinen Unterricht habe ich 2 Bücher geschrieben. Die Workshops in Spanien waren ebenfalls ein Highlight und nicht zu vergessen: die Zeit in Kroatien. Über die Zeit habe ich mit vielen Musiker Songs in meinem Studio produziert. Ich könnte noch viel mehr erzählen. Musiker kommen an Orte, die normale Menschen nie sehen werden und erleben Geschichten. Irgendwann bin ich wieder nach Bochum gezogen. Durch die Pandemie hat sich bei mir vieles verändert….viele Möglichkeiten gibt es für mich nicht mehr.  Ich bin bekanntermaßen kein Fan von dem Geschäftsmodell einer Tanzkapelle (ein schöner Ausdruck aus meiner Jugend für Coverbands o.ä.) und so bin ich immer auf der musikalischen Suche. 

 

Welche Musiker und Bands haben dich beeinflusst?

An sich schallte in meiner Kindheit bei uns Zuhause immer WDR4 durch die Wohnung. In den 70igern kaum zu ertragen, aber durch meinen älteren Bruder kam ich schnell in Kontakt mit hörbaren alternativen. Mein Weg war im Gegensatz zu meinem Bruder eher Richtung Rock. Es gab am Anfang 2 Gitarrenhelden für mich. Zum ersten war es Ted Nugent….eines Tages werde ich aus diesem Grund eine Byrdland in schwarz haben.  Zum Anderen ist es Alvin Lee mit Ten Years After. Mein erstes Livekonzert, dass ich besuchen durfte. Bei einer Songansage: „Remember Woodstock!!“ habe ich bis heute Gänsehaut. Meine erste richtige Gitarre war aus dem Grund eine Halbresonanz-Gitarre. Leider kein Geld für  eine Gibson, aber durch viel Glück eine wunderbare und unglaubliche Ibanez AM 60 ltd. Im Laufe der Zeit kamen noch Gitarristen wie Steve Vai, Zakk Wylde, Nuno, um nur ein paar zu nehmen, dazu. Heutzutage beeinflussen mich ganz andere Sachen. Songwriting, Sound und Text sind mehr im Vordergrund als Gitarren.

 

In welchen Bands hast du gespielt?

Wie gesagt, bin ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Trotz der guten Musikerszene war ich immer auf der Suche nach einer Band, die etwas erreichen wollte. Mein Ziel war immer mit einer guten Band auf der Bühne eigene Songs zu spielen. In meiner Jugend waren es Schülerbands mit spannendem Equipment. Mein erste Amp war ein Röhrenradio mit umgedrehtem Lautsprecher als Tonabnehmer. Das Schlagzeug bestand aus Plastikeimern und einer Metallkeksdose mit Sand gefüllt als Snare. Das erste Konzert war ein Desaster.  Zum ersten Mal eine E-Gitarre in der Hand und richtiges Schlagzeug mit Bassdrum….das war  nicht schön. Ein solches Konzert wollte ich nie wieder erleben und habe ich auch nie wieder. Ich habe teilweise auch in mehren Bands gleichzeitig gespielt. Manchmal in 3 Bands zu spielen  war mit viel Logistik verbunden. Ich habe nie eine Probe verpasst oder habe eine abgesagt.  Zu der Zeit gab es noch kein Handy oder brauchbares Internet. Ich habe mit den verschiedenen Bands viele Erfahrungen, positiv wie negativ, gesammelt und haben mich zu dem Musiker gemacht, der ich heute bin.

 

Du hast gerade gesagt, dass Du ein Endorser von Framus/Warwick bist. Wie ist es dazu gekommen?

Dazu muss ich die ganze Geschichte erzählen Ich hatte durch viele Zufälle eine Idee. Motorradclubs haben keine eigenen Hymnen. Dann mache ich mal welche. Gesagt getan…. Ich spielte in der Zeit in einer Bikerband und der Sänger hat mit mir ein paar passende Song in meinem kleinen Homestudio aufgenommen. Zu der Zeit hatte ich einen analoge 8-Spur-Recorder,  nur so nebenbei. Mit dem Demo bin ich dann mutig und selbstbewusst zu einem bekannten MC gegangen. Durch einen Bekannten bekam ich einen Termin, um meine Idee vorzustellen. Und es hat funktioniert. Leider wollte der damalige Sänger nicht für diesen Club singen oder in Verbindung gebracht werden. Also neuen Sänger suchen, ab in ein geiles Studio und los gehts. Allein was in bei den ersten Aufnahmen erlebt habe…..lustig wie traurig. Trotzdem wurden die Songs wirklich gut. Die Songs wurden auch vom Club für gut befunden. Die ersten Live Konzerte standen an. Dann, wie immer, Sänger bekommt kalte Füße, also musste ich die  ersten Konzerte singen. Irgendwann habe ich dann eine passende Band zusammen und wir haben  viel live gespielt. Der Ball kam ins rollen und ich habe mich bei Firmen als Endorser beworben. Warwick hatte sofort Interesse an mir als Musiker. Unglaublich, was das erste Treffen mit mir angestellt hat. 

 

Du warst in der Corona-Pandemie lange Zeit in Kroatien. Was hast Du dort gemacht?

Danke für die Frage. Ich habe in meiner Laufbahn u.a. auch Workshops in Spanien gegeben. Auch eine lange Geschichte, aber ich fasse mich kurz. Durch die dort entstandenen Kontakte bekam ich  die Chance, in einem edlem Hotel jeden Abend über Monate in Kroatien zu spielen. Nur ich alleine,  mit meiner Gitarre und einem Lopper, jeden Abend 4 Stunden, ohne Gesang….da war ich schon  skeptisch. Mein Freund Klaus, der das organisiert hat, sagte: die können froh sein, dich zu hören. Also allen Mut zusammen genommen und mit einem Freund nach Kroatien gefahren. One Way Ticket. Was ich dann erlebt habe, war der Hammer. Jeden Abend war es voll, Leute haben auf der Straße zu meiner Musik getanzt, Polizisten saßen Headbangend in ihrem Auto und haben mit ihrem Blaulicht eine geile Lichtshow gemacht, Kroaten haben sich jeden Abend getroffen um mir zu zuhören,  kein Musiker hat so viel Trinkgeld bekommen wie ich und ich habe noch nie so geil Gitarre gespielt. Selten war ich so stolz auf mich. Ich war ein anderer Mensch. Leider wird das wohl nie wieder so passieren und, dass aus so vielen  Gründen. Ich bin so glücklich, dass ich es gewagt habe und jederzeit wieder.

 

Nun habe ich ein paar Fragen zu deiner letzten Band „MahaKaran“. Ein sehr interessantes  nKonzept, welches Karan und Du auf die Beine gestellt habt. Als Erstes würde mich interessieren, wie Du Karan kennengelernt hast. Karan hat schon  verraten, dass es eine Dating-Seite war. Ein sehr ungewöhnlicher Weg, Mitmusiker zu finden.

Du hast recht. Ich habe Karan über eine Art Dating-Seite kennengelernt. An sich ist es eine App  um sich bei „Treffen“ mit Gleichgesinnten auszutauschen.  Durch Erfahrungen auf der Musikersuche war es für mich eine gute Möglichkeit vielleicht jemanden zu finden, der Interesse an eigener Musik und Studioaufnahmen hat.  Ich wollte mit einer Hungdrum, Gitarre und Drum&Bass live spielen. Das Ganze sollte mobil sein um erst mal Open-Air in irgendwelchen Parks zu spielen. Das grobe Konzept stand also schon. Einige Treffen habe ich dann selbst in meinem Studio organisiert, in der stillen Hoffnung ,  jemanden zu treffen. Oder ich bin zu Treffen gegangen. Auch eine längere Geschichte, aber meist sehr lustig. Die App erlaubt es aber auch jedem, eine Kontaktanfrage zu schicken. Jedem, der nach Musiker aussah, bekam eine Anfrage. Irgendwann hat sich Karan gemeldet. Wir haben uns getroffen und wir gingen  den gemeinsamen Weg. Es tat mir sehr gut mit einem talentierten und sehr gutem Sänger wie Karan diese Musik zu machen. Der erste Sänger, der mein Gitarrenspiel feiert und mir viel Freiheit gibt, was für mich sehr wichtig ist. Er vertraut meiner Erfahrung und dem Konzept.  Wir probten viel und reflektierend. Dadurch verstanden wir einander immer besser und wuchsen an der Aufgabe. Dank einer Dating-App…..

 

Wie kam es zu dem Konzept, indische Musik mit Gitarre und E-Drums zu verbinden?

Ich habe das gerade schon grob angeschnitten. Angefangen mit der Idee Hungdrum, Gitarre und Rhythmus sowie Bass zu verbinden. Es kam durch Karans Gesang sehr schnell die Idee seine indischen Einflüsse einzubinden. Gerade für westliche Ohren ist der klassische indische Gesang  im ersten Augenblick eher schwierig. Karan sing aber so leidenschaftlich, dass er einen in seinen  Bann zieht. Ich merke live an der ersten Reaktionen, das viel „Unsicherheit“ entsteht. Aber auch Neugierde und Bewunderung. Live erzählen wir eine Geschichte. Alle Songs nehmen Bezug aufeinander. Wir wollten nicht nur indische Musik spielen, sondern auch viele andere Stile verbinden. Sei es eine Ballade im Modern Country Style wie der Song „Breath you in“ oder tanzbare Musik wie z.b. „Bombay Funk“. Gerade diese Vielfalt, das Konzept der Geschichte und unsere Leidenschaft für Musik machen das Besondere und die Einzigartigkeit aus.

 

Ihr hattet euch auch dem Minimalismus verschrieben. Was meint ihr genau damit?

Mit wenigen Worten: 1 Teppich, 2 Musiker und das PA mobil. Wir haben uns entschieden nur mit den Möglichkeiten Gesang, E-Gitarre, Drummaschine und Sound ein nicht langweiliges Live Programm  mit unseren Songs zu machen. Alles sollte auf den Teppich passen.  Ich finde es musikalisch als eine Herausforderung aus nur einem Basslauf ( mehr kann meine Drummaschine nicht wirklich) einen guten Song zu schreiben. Wir haben festgestellt, dass wir mehr nicht brauchen und auch nicht brauchen werden. Egal wie groß die Bühne sein wird. Am Ende sitzen Karan und ich auf einem Teppich und alles was wir brauchen ist darauf. Hung-Drum, E-Gitarre, Gesangsmikrofon und die Drummaschine…..perfekt.

 

In deiner Vita kann man lesen, dass Du Tontechnik erfolgreich studiert hast. Vielleicht kannst Du ein bisschen über das Studium erzählen.

Danke, dass Du fragst. Ja, ich habe bei der Hofa erfolgreich das Studium abgeschlossen. Tontechnik  hat mich immer interessiert. Angefangen bin ich mit 2 Kassettenrekordern, einem DJ-Mischpult und einer  geliehenen Drummaschine. Gitarrensound kam aus meinem Lautsprecherausgang meines Gitarrenverstärker. Irgendwann hatte ich einen 4-Spur-Rekorder und die Aufnahmen wurden, wie die Songs, immer besser. Dann eine 8-Spur und damit habe ich das Demo für den MC aufgenommen. Ich wollte schon immer wissen, wie man vernünftig aufnimmt, mischt und mastert.  Die Hofa bietet ein Studium an, bei dem man mit dem eigenem Equipment lernt einen professionellen Sound  zu produzieren.  Ich habe durch das Studium gelernt, dass ich Musik mit Abstand höre und beurteile. Dadurch kann ich auch  eigene Songs besser mischen und mastern. Das Verständnis hilft mir, dass auch unser Live Sound sehr gut ist.  Ich kann jedem Musiker raten, sich ernsthaft mit Tontechnik auseinander zusetzten. Sei es um sich weiterzubilden und/oder Missverständnisse zwischen Musikern und Tontechniker zu beheben.

 

Du warst auch der kreative Kopf der Band. Wie kam es dazu und was machst Du genau?

Ich habe die Songs mit Karan zusammen geschrieben . Es fängt meistens mit einer guten Idee an. Akkorde, Melodien, Beats, Texte….irgendwas inspiriert uns immer. Dann ist es meine Aufgabe aus der Idee einen fertigen Song zu arrangieren und beim proben umzusetzen.  Ich habe die Designs der T-Shirts gemacht, bearbeite Fotos, kümmere mich um unser Freundes-Netzwerk, arbeitete unser Konzept weiter aus, baue unser PA auf und bin für den Sound verantwortlich, Roadie natürlich auch…..und bei allem fühlte ich mich sehr wohl. Karan hat mir bei Design-Fragen freie Hand gelassen, was vieles einfacher macht. Dafür machte Karan Arbeiten, die mir  nicht liegen.  Zusammen mit unserem Netzwerk können wir schnell viele unserer kreativen Ideen umsetzen. Dafür müssen wir als Musiker ein gutes Produkt sein. Auch das ist in meiner Verantwortung.

 

Interessante Arbeitsweise. In der letzten Zeit warst Du sehr produktiv und hast einiges aufgenommen. Kannst Du mir dazu ein paar Sachen erzählen?

Gerne. Ich habe insgesamt 4 komplette Alben aufgenommen. Dadurch ist es zu dem Projekt “Zora” gekommen.  Mit einer Sängerin aus London habe ich das Album “Evolution” produziert. Alle Instrument wie Gitarre, Bass  und Synthesizer habe ich in One Take eingespielt. Drums habe ich Takt für Takt programmiert. Danach habe  ich als Tontechniker die Songs bearbeitet und gemischt. Zu guter Letzt wurden die Songs von mir gemastert. Ein für mich sehr schönes und abwechslungsreiches Album. Und der Gesang von Senna ist unglaublich.  Alles in meinem Wohnzimmer entstanden, vor 30 Jahren unvorstellbar und teuer. Dann hatte ich die Idee mir selbst Backingtracks zum üben zu schreiben. Und zwar welche mit interessanten Arrangement. Nicht nur Akkordprogressionen, sondern Tracks zu denen man Melodie spielen sollte. Den Tracks durch meine Gitarre zu einem Song zu machen war meine Intention.  Ich habe also insgesamt 30 Tracks produziert. Mal einen interessanten Blues, einen Cuba Swing, modern Jazz mit Tonartwechsel ( Strengt auch den Kopf an) und und und. Wie immer habe ich alle Saiteninstrumente One Take eingespielt, gemischt und gemastert.  Aus allen Tracks habe ich 24 ausgewählt und auf 3 Alben aufgeteilt. Ja, ich mache immer noch Alben. Pro Album 8 Tracks und schönen Cover. Ich mag das einfach. Ich übe immer mit den Tracks bis jeder zu einem Song wird. 

 

Sehr spannende Idee so mit Backingtracks umzugehen. Dann hast Du auf jeden Fall nie Langeweile. Ich danke Dir für das Interview und einen kurzen Einblick in dein Leben als Musiker. Es ist erstaunlich, was Du zum einen schon alles produziert hast und zum anderen was Du alles erlebt hast. Du bist als Musiker an vielen Orten gewesen. Mehrmals auf Mallorca, England, Kroatien… Man könnte schon neidisch werden, aber ist auch ein harter Weg. Ich wünsche Dir viel Erfolg und mache weiter so gute  Musik.